Artname

deutsch:
Miesmuschel

wissenschaftlich:
Mytilus edulis

englisch:
Blue mussel

niederländisch:
Mossel

dänisch:
Blåmusling



Merkmale

Die unverwechselbare Miesmuschel hat eine lang-tropfenförmige, glatte Schale mit brauner Außenhaut. Ihre Farbe ist braun oder blau, an der Innenseite perlmuttglänzend, Jungtiere sind auch gelbbraun oder mit blauen Strahlen. Die Art neigt zu Massenvorkommen. Orte mit dichter Besiedlung werden Miesmuschelbänke genannt. Vorkommen/Verbreitung: Man findet sie von der Gezeitenzone bis in 50 m Tiefe in Mittelmeer, Atlantik (auch Nordamerika), Nord- und Ostsee. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer befinden sich die Miesmuschelbänke überwiegend in Nordfriesland. Es gibt sowohl Bänke, die bei Ebbe trockenfallen, als auch solche, die ständig mit Wasser bedeckt sind.

 

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Lebensweise

Miesmuscheln leben im Gegensatz zu den meisten anderen Muschelarten der Nordsee nicht im Boden eingegraben, sondern auf der Bodenoberfläche. Hier besteht die Gefahr, dass die Miesmuscheln einsanden oder von der Strömung vertrieben werden. Gegen die Strömung schützen sich die Miesmuscheln durch die Ausbildung von Haftfäden (Byssusfäden), mit deren Hilfe sie sich an festen Bodenbestandteilen wie z.B. Steinen oder aber an Artgenossen anheften. Die Fäden können aktiv wieder gelöst werden, so dass die Miesmuschel sich bei Versandung, soweit diese nicht zu intensiv ist, immer wieder mit Hilfe eines sog. Fußes neu positionieren und anschließend wieder festheften kann. Miesmuscheln ernähren sich von kleinen und kleinsten im Wasser schwebenden organischen Teilchen (Plankton und Detritus). Das Wasser wird durch die Kiemen gepumpt, dabei werden durch einen Filtermechanismus die kleinen Teilchen vom Wasser abgetrennt und nach einer groben Vorsortierung in die Mundöffnung transportiert. Dabei filtrieren ausgewachsene Miesmuscheln bis zu 2 l Wasser pro Stunde; unter Berücksichtigung der Trockenliegezeiten im Watt ergibt sich eine durchschnittliche Filtrationsleistung von 10–20 l täglich. Die aussortierten, unverdaulicher Schwebstoffe werden unverzüglich wieder in das umgebende Wasser abgegeben. Dadurch kann, je nach vorherrschender Strömung, unter den Muscheln einer Muschelbank Schlick und Sand abgelagert werden; alte Muschelbänke können daher etwas über die Umgebung hinausragen.

Miesmuscheln sind getrenntgeschlechtlich. Jedes Muschelweibchen gibt im Frühjahr etwa 5–12 Mio. Eier ins Wasser ab, wo sie von Samenzellen der Männchen befruchtet werden. 1–2 weitere Laichperioden im Sommer sind möglich, d. h. jeder Milliliter Wattenmeerwasser könnte eine Miesmuschellarve enthalten! Die Larven wachsen mindestens einen Monat lang frei im Wasser schwimmend heran, und werden in dieser Zeit durch die Meeresströmungen über weite Entfernungen transportiert. Daher können die Eltern der Muscheln im nordfriesischen Wattenmeer mehrere hundert Kilometer von hier entfernt leben. Während der freischwimmenden Phase können 99,9 % der Larven gefressen werden oder durch andere Umstände zu Grunde gehen. Bei etwa 0,2 mm Größe setzen sie sich an Algenfäden und anderen Strukturen fest, können danach aber, bis sie etwa 3 mm groß sind, noch mehrmals den Standort wechseln. Während dieser Phase werden nochmals sehr viele von ihnen gefressen oder sterben aus anderen Gründen. Erst ab dieser Größe heften die Jungmuscheln sich endgültig an Miesmuschelbänken oder anderen geeigneten Unterlagen fest. Die jungen Muscheln können in Abhängigkeit ihres Standortes innerhalb eines Jahres, auf bis zu 5 cm Größe heranwachsen. Am langsamsten wachsen die Muscheln auf den trockenfallenden Bänken, da hier am wenigsten Zeit für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung steht. Das Lebensalter der Miesmuschel beträgt maximal 8–10 Jahre.

Die Miesmuschel ist eine der bedeutendsten Tierarten im Wattenmeer, denn sie stellt bis zu einem Viertel der gesamten Biomasse dar. Muscheln unter 4 cm Größe sind einem großen Fraßdruck durch Krebse und Vögel ausgesetzt. Über Wasser spielen Möwen und Austernfischer eine wesentliche Rolle, unter Wasser Eiderenten, Seesterne und Krebse. Miesmuschelbänke weisen im eigentlich recht artenarmen Watt eine vergleichsweise hohe Artenvielfalt auf und sind daher Brennpunkte des Tierlebens. Allein die »Untermieter« einer Muschelbank (Seepocken, Würmer, Krabben) erzeugen so viel Biomasse wie alle Tiere auf einer gleich großen Sandwattfläche.

Der Miesmuscheltang (Fucus mytili), der sich auf einigen älteren trockenfallenden Muschelbänken ansiedelt, ist für die Muscheln eher lästig, denn er verringert den Wasserzustrom und fördert die Verschlickung der Bank. Recht harmlos ist der seltene Muschelwächter (Erbsenkrabbe), der im Inneren verschiedener Muscheln lebt und der Muschel Nahrungsteile vor dem Mund wegschnappt. Eine erhebliche Beeinträchtigung (auch für die Fischerei) kann der 1 mm lange Ruderfußkrebs Mytilicola bewirken, denn er verursacht starke Wachstumsstörungen in der Muschel. In Eiswintern können trockenfallende Muschelbänke nahezu vollständig durch Eisschollen abgehobelt werden. Siedeln sich Muschelbänke in wenig geschützten Bereich an, so werden sie in der Regel von Stürmen bald wieder abgetragen. Zusätzlich unterliegen nicht trockenfallende Bänke einem so hohem Fraßdruck durch Eiderenten, Strandkrabben und Seesternen, dass sie kaum länger als ein Jahr existieren. Durch die von den Meeresströmungen herangetragenen Larven besiedeln sich die freien Flächen aber recht bald erneut mit Miesmuscheln. Die langlebigsten Muschelbänke liegen knapp oberhalb der Niedrigwasserlinie, wo sie pro Tide bis zu 4 Stunden trockenfallen.

 

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Wirtschaftliche Nutzung

Die Miesmuschelfischerei im schleswig-holsteinischen Wattenmeer ist eine traditionelle Nutzung. Sie wird im Haupterwerb schon seit etwa 100 Jahren ausgeübt. Ursprünglich wurden Miesmuscheln ausschließlich von trockenfallenden Bänken gefischt. Als Fanggeschirr dienen seit langem spezielle Schleppnetze (sog. Dredgen) aus Stahlringen mit einem Rohr als Vorderkante, durch das die Muscheln von der Oberfläche abgeschoben werden und dann in das Netz fallen. Etwa 1935 begannen die Miesmuschelfischer in Schleswig-Holstein gezielt mit der Muschelkultur. Hierbei werden von den ohnehin nicht dauerhaft existierenden ständig mit Wasser bedeckten Bänken Jungmuscheln gefischt und an ständig mit Wasser bedeckten speziellen Stellen, den sog. Muschelkulturbezirken, wo sie geringeren Gefährdungen durch Sturm und Wegfraß ausgesetzt sind, wieder ausgebracht. Frühestens nach etwa einem Jahr haben die Muscheln dort dann die Marktreife (Konsumgröße) erlangt. In den Niederlanden werden im Jahr durchschnittlich 100.000 t Muscheln erzeugt, in Niedersachsen sind es 8.000 t, und in Schleswig-Holstein etwa 20.000 t pro Jahr. Im dänischen Limfjord werden etwa 100.000 t Muscheln pro Jahr von Wildbänken geerntet. Ein strenges staatliches Überwachungsprogramm sowie umfangreiche innerbetriebliche Kontrollen sorgen dafür, dass der Verzehr von im Handel angebotenen Miesmuscheln gesundheitlich völlig unbedenklich ist.

 

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